Das Barock-Juwel am Tuniberg erhält eine neue Orgel

von Pfarrer Josef Moosmann

Die barocke Kirche in Merdingen, von Johann Caspar Bagnato 1738 - 1741 erbaut, ist weit über unsere Landesgrenzen hinaus als besonderes Schmuckstück bekannt. Sie lädt nicht nur zum Staunen und Verweilen, zum Beten und Singen, sondern vor allem  Mitfeier des Gottesdienstes, um Lobe und zur Ehre Gottes ein. Zur liturgischen Feier gehören auch der Gesang und die Musik.

Genau das aber konnte bisher in diesem Gotteshaus nur unzulänglich verwirklicht wer­den. Als Ende des 19. Jahrhunderts der Gottesdienstbesuch zahlenmäßig sehr stark zunahm, musste die Orgel auf der unteren Empore wei­chen. Sie wurde 1890 in der südlichen Chor­nische neu gebaut. Auch der Kirchenchor fand in der engen Nische seinen Platz. Durch diese Notlösung entstand der Wunsch, dass die Orgel und die Sänger wieder ihren guten alten Platz hinten auf der ersten Empore finden sollten.

Obwohl Kirchenchor und Spieltisch 1957 in der nordlichen Chornische untergebracht wur­den, war das kirchenmusikalisch weiter unzureichend. In einer Seitennische versteckt, musste der Kirchenchor um die Chorseitenwand herum singen und blieb sonst am liturgischen Geschehen unbeteiligt. Auch die pneumatischen Verzögerungen im jenseitigen Orgelwerk waren nicht unproblematisch.

50 Jahre hat der ehemalige Kirchenchordirigent Prof. Hermann Brommer auf diesen lang ersehnten Wunsch warten müssen, dass Kirchenchor und Orgel ihren ursprünglichen Platz, den sie von 1741 bis 1890 innehatten, nun wieder einnehmen dürfen.

Als treibende Kraft konnte Hermann Brommer den früheren Pfarrer Siegfried Hiesle dazu bewegen, dieses Jahrhundertwerk in Angriff zu nehmen. Nun gab es kein zurück mehr. Mit großem Engagement wurde von vielen Seilen dieses Ziel verfolgt. Als ein solider finan­zieller Grundstock geschaffen war, konnte die Genehmigung eingeholt werden. Sehr viele Menschen, Geschäftsleute, Banken und Vereine haben sich mit großzügigen Spenden hinter diese Idee gestellt. Die Neukonzeption einer Orgel auf die untere Empore brachte die totale Innenrenovation der Kirche mit sich. Nur das hohe Spendenaufkommen, Unterslützung durch das Erzb. Ordinariat, vertreten durch Oberrechtsdirektor Dr. Kremer und die unzähli­gen Arbeitsstunden vieler Merdinger Bürger in freiwilliger Eigenleistung konnten das Barock­juwel im neuen, nie da gewesenen Glanze erstrahlen lassen.

Ob bei den Abbrucharbeiten der alten Orgel oder beim Aufbau der Empore und der neuen Orgel, die Merdinger waren da, wenn man sie brauchte, Schreinerei Xaver Bärmann und Elektro Reinhold Stein brachten ihr fachliches Können mit ein.

Ich danke mit der ganzen Pfarrgemeinde dem Bauausschuss, der unter der Leitung von Alt-bürgermeisler Adolf Schopp und Pfarrgemeinderats Vorsitzenden Josef Hintereck unermüdlich und mit hohem Idealismus die Arbeiten voran­trieb, dies war gar nicht so einfach, in die beengte Räumlichkeit der Empore ein so monumentales Bauwerk zu erstellen. Meisterhaftes Können war gefragt. Die Merdinger entschlossen sich, den Auftrag an die renommierte Orgelbauwerkstatt Jäger & Brommer in Waldkirch zu vergeben. Orgelbaumeister Heinz Jäger und Orgelbaumeister Wolfgang Brommer ein geborener Merdinger und Sohn der langjährigen Organistin Elisabeth Brommer und des Chorleiters Hermann Brommer, zogen nun alle Register ihres meisterlichen Könnens zusammen mit ihren tüchtigen Mitarbeitern, um hier am Tuniberg eine solch prächtige Orgel erstehen zu lassen, die ihresgleichen sucht.

Mit viel Liebe zum Detail wurde sie durch die Schnitzarbeiten des Bildhauers Klaus-Dieter Kienzier und die Vergoldung von Restauraltr Sebastian Wirth zu einem wirklichen Schmuckstück. Die dreimanualige Orgel mit 30 Registern setzt dem barocken Prachtbau die Krone auf,

Durch Beratung des Erzb. Orgelinspektors Prof. Bernhard Marx erhielt die neue Orgel eine musikalisch vielseitig einsetzbare Disposition des Klangcharakters.

Sachkundig und wohlwollend hat das Erzb. Bauamt (Oberbaudirektor Anton Bauhofer mit seinen Architekten Eberhard Wiltekind und Ufirhnra Mariin) dieses Projekl begleitet, so dass sich die neue Orgel sehr harmo­nisch in den barocken Kirchenraum einfügt.

Der 07. Oktober 2007 ist für uns alle ein großes Ereignis: Am Festtag des Kirchenpatrons, des Hl. Remigius. wird die neue Orgel ihrer Bestimmung übergeben. Die Königin der Instrumente bringt das Göttliche in uns zum Erklingen.

Wir danken Herrn Domkapitular, Hermann Ritler für die liturgische Weihe der Orgel und für die Zelebration des Festgottesdienstes.

Möge die neue Orgel die Herzen vieler Generationen erheben zum Lobe und zur Ehre Gottes, auf dass der Segen auf der ganzen Gemeinde ruhe.

Josef Moosmann Pfarrer

Katholisches Pfarramt St. Remigius
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